Freitag, 30. Oktober 2020

BMU-PM: Schulze: Was gegen Naturzerstörung hilft, hilft auch gegen Entstehung neuer Pandemien

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Pressedienst - Nr. 193/20
30. Oktober 2020

 

Biodiversität

Schulze: Was gegen Naturzerstörung hilft, hilft auch gegen Entstehung neuer Pandemien  

Neuer Bericht des Weltbiodiversitätsrats belegt Zusammenhang von biologischer Vielfalt und Pandemieprävention

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat heute gemeinsam mit VertreterInnen des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) den IPBES-Bericht zu Biodiversität und Pandemien vorgestellt. Der Bericht warnt, dass Pandemien infolge der Naturzerstörung in Zukunft noch häufiger auftreten könnten. Die Ursachen für Pandemien sind die gleichen, die auch zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen – allen voran das Eindringen des Menschen in vormals intakte Ökosysteme, etwa durch die weltweite Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie den unregulierten Handel mit Wildtieren. Um das Risiko zukünftiger Pandemien zu verringern, empfiehlt der Weltbiodiversitätsrat vermehrt in vorsorgende Maßnahmen zum Schutz der Natur zu investieren. Schulze hatte den Weltbiodiversität im April gebeten, den aktuellen weltweiten Wissensstand zum Thema biologische Vielfalt und Pandemien zusammenzutragen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Krise. Denn die menschliche Gesundheit hängt direkt von einer intakten Natur ab. Es ist wichtig, bei aller akuten Krisenbewältigung die tieferen Ursachen der Pandemie nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, die Entstehung künftiger Pandemien zu verhindern. Pandemien haben zwar ihren Ursprung im Tierreich, aber ihre Entstehung wird von menschlichen Aktivitäten bestimmt. Das heißt auch, dass wir Menschen etwas tun können und nicht machtlos sind. Der Bericht des Weltbiodiversitätsrats zeigt, dass wir das Pandemierisiko verringern können, wenn wir die menschengemachten globalen Umweltveränderungen reduzieren. Dafür sind große Investitionen in den Erhalt, die nachhaltige Nutzung und die Wiederherstellung von Ökosystemen nötig. Aber verglichen mit den Kosten einer Pandemie sind die Kosten für die Vorbeugung deutlich geringer.“

IPBES-Exekutivsekretärin Dr. Anne Larigauderie: „Der Bericht bietet der Politik neue Einsichten, wie man das Risiko von Pandemien senken und künftige Pandemien vermeiden kann. Es ist eine der wissenschaftlich robustesten und aktuellsten Untersuchungen seit Beginn der COVID-19-Pandemie – obwohl sie in Rekordgeschwindigkeit erstellt wurde. Wir gratulieren allen Autoren dieser wichtigen Arbeit and danken Ministerin Schulze und der deutschen Regierung für ihre Unterstützung – sowohl für die Forschungsarbeit als auch als Sitzstaat des IPBES-Sekretariats.”

Dr. Sandra Junglen, Leiterin der Arbeitsgruppe „Ökologie neuartiger Arboviren“ am Institut für Virologie, Charité Universitätsmedizin Berlin: „Der IPBES-Workshop zu Biodiversität und Pandemien macht unmissverständlich den Zusammenhang zwischen Naturzerstörung und der Entstehung von neuartigen Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übergesprungen sind, deutlich. Die Geschwindigkeit, mit der Ökosysteme zerstört werden und Tierarten aussterben, lässt vermuten, dass wir in Zukunft häufiger Epidemien mit neuartigen Krankheiten in kürzeren Abständen erleben werden. Es ist daher dringend ein Umdenken in Richtung Prävention von Epidemien durch Natur- und Klimaschutz erforderlich.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Pandemie hat der Weltbiodiversitätsrat im Juli 2020 zu einem mehrtägigen Workshop zum Zusammenhang von biologischer Vielfalt und Pandemien eingeladen. 22 Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt haben den aktuellen Wissensstand zur Entstehung von Pandemien, deren Folgen und Handlungsmaßnahmen zur Prävention und Bekämpfung zusammengetragen und analysiert. Im nun veröffentlichten Workshop-Bericht warnen die Wissenschaftler*innen davor, dass Pandemien ohne Präventionsmaßnahmen in Zukunft vermehrt auftreten und die Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft noch drastischer ausfallen könnten. Die wirtschaftlichen Kosten von Reaktionen auf Pandemien könnten die Ausgaben für vorbeugende Maßnahmen um Größenordnungen übersteigen. Daher sollte in Zukunft mehr in vorbeugende Maßnahmen investiert werden, wie den sogenannten „One Health“ Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. Staaten müssen bei der Bekämpfung und Vorbeugung von Pandemien an einem Strang ziehen und gemeinsame Ziele und Maßnahmen definieren, die alle betroffenen Sektoren und Akteure der Gesellschaft einbeziehen, so die Empfehlung. Landnutzungsänderungen, die Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft und der Handel mit Wildtieren sollen im Kontext der Pandemieprävention betrachtet und reguliert werden.

Das Bundesumweltministerium (BMU) setzt sich national und international dafür ein, die Ursachen für Pandemien besser zu verstehen und diesen entgegenzuwirken. Neben Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt zählt hierzu auch der Kampf gegen den unregulierten internationalen Wildtierhandel. Auch die Wiederbelebung der Wirtschaft muss biodiversitäts- und klimafreundlich gestaltet werden. Durch ein eigenes „Corona Response“ Maßnahmenpaket unterstützt das BMU kurzfristig Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Bewältigung der Corona-Krise mit etwa 68 Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative. Ein Schwerpunkt der Maßnahmen liegt dabei auch auf der Pandemieprävention. Das Paket umfasst unter anderem Soforthilfen für Schutzgebiete und Biodiversitätshotspots, die Förderung klimafreundlicher wirtschaftlicher Neustarts und Projekte zur Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Pandemien.

Auch in internationalen Verhandlungen setzt sich das BMU dafür ein, dass die Lehren aus der Pandemie gezogen werden. Hierzu zählt ein ambitionierter neuer globaler Rahmen für die biologische Vielfalt nach 2020 zur Umsetzung der Konvention über die biologische Vielfalt. Ein weiteres Ziel des BMU ist es, auf internationaler Ebene Verhandlungen für ein Protokoll zur Bekämpfung von Wildtierkriminalität unter der Konvention gegen grenzüberschreitende organisierte Kriminalität anzustoßen.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen. IPBES ist vergleichbar mit seiner älteren Schwester IPCC für das Klima („Weltklimarat“). Aktuell sind 137 Staaten (inkl. Deutschland) Mitglied im IPBES. Deutschland ist einer der größten Finanzgeber; das Sekretariat des Weltbiodiversitätsrats hat seinen Sitz in Bonn. Das BMU hat die Erstellung des Workshop-Berichts zu Biodiversität und Pandemien finanziell unterstützt.

Den vollständigen Workshop-Bericht finden Sie unter: www.ipbes.net/pandemics

Weitere Informationen zum Thema „Biologische Vielfalt und Pandemien“ finden Sie unter www.bmu.de/PM9116/  und www.bmu.de/PM9005


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